Mobil kann dieser Inhalt leider nicht angeboten werden. Bitte öffnen Sie die Seite auf einem Computer.
Frage: Wie setzt sich eigentlich der Strompreis zusammen?

Antwort:

Seit der Marktöffnung des Energiemarktes 1998 hat sich der Anteil staatlicher Steuern, Abgaben und Umlagen des Strompreises von 25% auf 52% erhöht. Dies bedeutet, dass über 52 Cent jedes Euros, den Sie für Strom bezahlen, staatlich verursacht sind. Die eigentlichen Stromkosten (Strombeschaffung, Vertrieb und Service) machen nur noch rund 22% des Strompreises aus.

Im Allgemeinen lässt sich der Strompreis in drei Kostenblöcke unterteilen:
  1. Nutzungsentgelte
  2. Steuern und Abgaben
    (Konzessionsabgabe, Stromsteuer, EEG-, KWK-G-, §19-, §18- , Offshore-Umlage und MwSt.)
  3. Energiekosten inkl. Vertrieb

Strompreis - Zusammensetzung seit 2018 | EWE 

 

Nutzungsentgelte und Messtellenbetrieb
Die Netznutzungsentgelte fallen für die Instandhaltung, den Betrieb sowie den Ausbau des Stromnetzes an, damit der Strom auch zu den Kunden gelangt. Die Höhe dieser Entgelte für das jeweilige Stromverteilnetz, das im Übrigen für alle Stromanbieter in ganz Deutschland gilt, ist staatlich reguliert und wird jährlich neu festgesetzt. Der zunehmende Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien verursacht in vielen Regionen Deutschlands einen erheblichen Investitionsbedarf in die Übertragungs- und Verteilnetze, da neue Regenerativanlagen ans Netz angeschlossen und technisch integriert werden müssen. Daher variieren die Netznutzungsentgelte sehr stark von Region zu Region, abhängig davon wie stark der Ausbau der Erneuerbaren Energien erfolgt.
Trotz gestiegener Netzentgelte beim vorgelagerten Übertragungsnetzbetreiber Tennet kann die EWE NETZ GmbH seine Netzentgelte 2018 senken. Grund ist eine gesetzlich festgelegte teilweise Reduzierung der so genannten vermiedenen Netzentgelte. Der Gesetzgeber hat im Sommer mit dem Netzentgeltmodernisierungsgesetz reagiert und eine stufenweise Reduzierung der vermiedenen Netzentgelte ab 2018 beschlossen. Dieser Effekt wirkt sich positiv auf die Strom-Netzentgelte aus: EWE NETZ senkt seine Strom-Netzentgelte um durchschnittlich neun Prozent.
Für einen Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden Strom sinkt das durchschnittliche Entgelt für Netznutzung und Abrechnung jährlich um netto 27,55 Euro.
2018 machen diese einen Anteil von rund 26 Prozent am Strompreis für Haushaltskunden aus.

Die Netzentgelte 2018 setzen sich zusammen aus:

  • Grundpreis
  • Messstellenbetrieb
  • Arbeitspreis je Kilowattstunde
Entwicklung der Stromnetzentgelte seit 2010 | EWE
Grafik: Entwicklung der Netzentgelte seit 2010 (Referenzverbrauch 3.200 kWh) für Kunden ohne Leistungsmessung inkl. Kosten des Messstellenbetrieb.

Steuern und Abgaben
Steuern und Abgaben machen den größten Teil der Stromkosten aus. Hierunter fallen staatliche veranlasste Umlagen und Abgaben sowie die Stromsteuer und die gesetzliche Mehrwertsteuer.

Stromsteuer
Seit 2003 liegt die Stromsteuer, auch als Ökosteuer bekannt, bei 2,05 Cent/kWh. Weil auf den Endpreis des Stroms die Mehrwertsteuer von 19 % erhoben wird, gilt diese auch für den Ökosteueranteil. Mit der Stromsteuer werden finanzpolitische und umweltpolitische Ziele verknüpft. Zudem soll die Stromsteuer einen Anreiz zur Energieeinsparung geben.

Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
Der größte Anteil der Steuern und Umlagen entfällt auf die Förderung der Erneuerbaren Energien. Mit der Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage wird die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien, wie Solarenergie, Wasserkraft und Windenergie, gesetzlich gefördert. Die aus dem EEG entstehenden Mehrbelastungen werden an die Stromkunden weitergegeben. Die EWE kann die Höhe der EEG-Umlage, die sich aus der Differenz zwischen dem Marktpreis an der Strombörse und dem Vergütungspreis, den die Anlagenbetreiber erhalten, errechnet, nicht beeinflussen. Diese wird unter anderem durch Entwicklungen der politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, Ausgleiche für vorangegangene Kalenderjahre, sowie energieträgerspezifische Einspeisemengen und Wetterverhältnisse, insbesondere Windaufkommen und Sonnenstunden, beeinflusst. Nachdem hatte die EEG-Umlage 2017 einen Rekordwert von 6,880 Cent/kWh erreicht hatte, sinkt sie dieses Jahr sinkt wieder leicht auf 6,792 Cent/kWh. Trotzdem ist die EEG-Umlage in den vergangenen 10 Jahren von netto 1,16 Cent/kWh auf netto 6,88 Cent/kWh gestiegen.

Strom - Entwicklung der EEG Umlage | EWE
Grafik: Die Infografik zeigt die Entwicklung der EEG-Umlage in den Jahren 2006 bis 2017. Seit 2006 ist die EEG-Umlage von 0,63 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde in 2017 gestiegen und hat sich somit seit 2010 mehr als verdreifacht.

Ein Grund zum Anstieg der EEG-Umlage sind die sinkenden Strompreise an der Börse. Klingt paradox, ist es auch. Das große Angebot an Strom aus erneuerbaren Energien lässt den Strompreis an der Börse deutlich sinken. Grundsätzlich ein wünschenswerter Effekt, nur leider nachteilig für die EEG-Umlage. Denn mit sinkenden Börsenpreisen sinken auch die Erlöse bei der Veräußerung des EEG-Stroms und die Differenz zwischen ausgezahlter Einspeisevergütung und erzielten Erlösen nimmt deutlich zu, und damit auch die Belastung der Stromkunden in Form steigender Umlagen.

§ 17 Offshore-Haftungsumlage
Mit der Offshore-Haftungsumlage haften Verbraucher für wirtschaftliche Risiken, die insbesondere durch Verzögerung des Netzanschlusses entstehen können. Diese Umlage reduziert somit das wirtschaftliche Risiko von Anlagenbetreibern beim Windkraftausbau. Wenn sich der Netzanschluss für Windparkbetreiber auf hoher See verzögert, fängt diese Umlage einen Teil der entstehenden Verluste ab.

Die Offshore-Haftungsumlage lag in den Jahren 2013 und 2014 bei 0,25 Cent/kWh. Im Jahr 2015 betrug diese für Endkunden -0,051 Cent/kWh und war damit zwei Jahre nach ihrer Einführung erstmals negativ. Dies lag daran, dass die Rückverrechnung aus dem Jahr 2013 die Kosten im Jahr 2015 überstieg und auf diesem Weg den Kunden zurückerstattet werden konnte. Die Offshore-Haftungsumlage wird gesetzlich festgelegt und ist von der EWE nicht beeinflussbar. Die Offshore-Haftungsumlage änderte sich 2017 auf -0,028 Cent/kWh und war ähnlich wie 2015 negativ. Für das Jahr 2018 beträgt diese Haftungsumlage netto 0,037 Cent pro Kilowattstunde und ist somit nach 2017 wieder positiv.

Entwicklung der §17f Offshore-Haftungsumlage | EWE
Entwicklung der Offshore-Haftungsumlage (Angaben in ct/kWh)

 

Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWK-G)
Mit dem KWK-Aufschlag wird die ressourcenschonende gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme gefördert. Die dadurch entstehenden Kosten fließen in den Strompreis ein. Im Zuge der Novellierung des KWK-Gesetzes will die Bundesregierung die Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung in Deutschland bis 2020 auf 25 Prozent erhöhen. Diese wird auf die Endverbraucher umgelegt. Trotzdem sinkt die KWK-G Umlage in 2018 von 0,438 Cent/kWh auf 0,345 Cent/kWh.

Entwicklung der KWK-G Umlage | EWE
Grafik: Entwicklung der KWK-G Umlage (Angaben in ct/kWh)

Konzessionsabgabe
Energieversorger zahlen für die Nutzung von öffentlichen Verkehrswegen bei der Verlegung von Strom- und Gasnetzen ein Entgelt direkt an die Kommunen, also z. B. an die Gemeinden. Die Höhe dieser Abgabe richtet sich dabei nach der Einwohnerzahl der Kommune.

§ 18 Umlage für abschaltbare Lasten

Große Stromabnehmer können sich dazu verpflichten lassen, zeitweise vom Stromnetz getrennt zu werden. Ziel hierbei ist die Stabilisierung der Übertragungsnetze. Für diese Maßnahme bekommen Eigentümer großer Stromabnahmestellen eine Entschädigung. Die dafür anfallenden Kosten werden auf alle Endverbraucher umgelegt.
In 2016 lag keine Verordnung der Umlage für abschaltbare Lasten vor, daher wurde diese auf 0,000 ct./kWh festgelegt.
Die § 18 Umlage für abschaltbare Lasten wurde in 2017 neu festgelegt und betrug 0,006 ct./kWh. 2018 wird sie wieder steigen, auf 0,011 Cent/kWh.

§ 19 Industrieumlage
Die sogenannte „Industrieumlage“ nach §19 der Stromnetzentgeltverordnung beinhaltet die Befreiung stromintensiver Betriebe von der Zahlung der Netzentgelte. Aufgrund der erhöhten Anzahl von Unternehmen, die sich von der Industrieumlage befreien lassen können, wird sich die §19-StromNEV-Umlage im Jahr 2017 auf 0,388 Cent/kWh erhöhen. Die sich so ergebenden entgangenen Erlöse werden auf die Endverbraucher umgelegt.

Strom - Entwicklung der Industrieumlage | EWE
Grafik: Entwicklung der §19 Industrieumlage (Angaben in ct./kWh)

Mehrwertsteuer
Der Nettostrompreis wird wie bei allen anderen Produkten mit 19 % Mehrwertsteuer belastet und wird auf die Gesamtsumme aus Erzeuger- und Vertriebsanteil, Netzentgelten sowie den sonstigen staatlich veranlassten Preisbestandteilen erhoben. Die EWE nimmt lediglich die Mehrwertsteuer ein und führt diese 1:1 an das Finanzamt ab.

Energiekosten
Energie- und Vertriebskosten machen neben den staatlichen Umlagen und Abgaben, den Netzentgelten sowie den Steuern nur noch einen relativ kleinen Teil am Strompreis aus. EWE kauft Strom und Erdgas an der Strombörse oder bei Vorlieferanten ein. Die Höhe der Energiekosten ergibt sich in der Regel aus dem Angebot, also der produzierten Energiemenge, und der Nachfrage nach Energie bzw. den Energieträgern. Auch die Kosten für den Vertrieb bilden einen kleinen Bestandteil der Energiekosten. Hier sind u.a. Kosten für die Abrechnung, Serviceleistungen und Kundenbetreuung enthalten.