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Frage: Wie erfolgt die Umrechnung von Kubikmetern in Kilowattstunden im Detail?

Antwort:

Auf der Erdgasabrechnung finden unsere Kunden ab dem 1. Januar 2010 zwei neue Faktoren zur Berechnung der gelieferten thermischen Energiemenge. Sie zeigen detailliert den bisher genutzten Umrechnungsfaktor.

Ausgangspunkt für die Erdgasabrechnung ist die zwischen zwei Zeitpunkten gemessene Erdgasmenge. Der Zähler für Erdgas, der sogenannte Balgengaszähler im Haushalts- und Kleingewerbebereich , misst die Menge des durch den Zähler fließenden Erdgases, also das Betriebsvolumen (Vb) in Kubikmeter (m³). Da für unsere Kunden jedoch weniger das Volumen des verbrauchten Erdgases interessant ist, sondern vielmehr die darin enthaltene Energiemenge, ist eine Umrechnung vom gemessenen Betriebsvolumen Vb (m³) in die bezogene thermische Energiemenge (E) in Kilowattstunden (kWh) notwendig.

Die thermische Energiemenge in der Erdgasabrechnung wird aus drei Werten ermittelt: Erdgasverbrauch, Zustandszahl und zeitraumbezogener Brennwert.

  • Erdgasverbrauch:

    Der Erdgasverbrauch wird von einem geeichten Gaszähler gemessen. Der Gaszähler misst dabei das Betriebsvolumen (Vb) des durchfließenden Erdgases. Die Maßeinheit ist dementsprechend Kubikmeter (m³). Der Erdgasverbrauch errechnet sich aus der Differenz des Zählerstandes zu Beginn und Ende einer Abrechnungsperiode (in der Regel 1 Jahr).

  • Zustandszahl:

    Beim Erdgas wird zwischen dem Normzustand und dem Betriebszustand unterschieden. Der Betriebszustand ist der Zustand des Erdgases im Gaszähler, der abhängig von Druck und Temperatur des Erdgases ist. Zur Abrechnung der verbrauchten Erdgasmengen muss daher der Betriebszustand des Erdgases auf den Normzustand umgerechnet werden.

    Erdgas hat seinen Normzustand bei einer Temperatur (Tn) von 0° Celsius (entsprechend 273,15 Kelvin) und einem Normluftdruck (Pn) von 1013,25 mbar.

    Die Zustandszahl (z) beschreibt das Verhältnis vom abrechnungsrelevanten Normvolumen (Vn) zum gemessenen Betriebsvolumen (Vb) des Erdgases. Die Zustandszahl (z) wird jeweils kundenspezifisch ermittelt.

    Grundsätzlich wurde deutschlandweit eine Abrechnungstemperatur (Teff) von 15 °C für Gaszähler ohne Temperaturumwertung festgelegt, sofern der übergebene Druck (Übergabedruck) beim Kunden kleiner gleich 1.000 mbar ist und eine stündliche Menge kleiner 400 m³/h nicht übersteigt.

    Maßgebend für den zu verwendenden mittleren Luftdruck (pamb), gemessen in mbar, ist die geodätische Höhe des installierten Zählers beim Kunden. Die EWE NETZ GmbH hat Höhenzonen in Abhängigkeit der geographischen Gegebenheiten innerhalb des Netzgebiets eingerichtet. Alle installierten Gaszähler sind einer mittleren geodätischen Höhe der jeweiligen Höhenzone zugeordnet.

    Ein weiterer Parameter zur Ermittlung der Zustandszahl ist der eingestellte Überdruck - auch Effektivdruck (peff) genannt - des installierten Gasdruckregelgeräts vor dem Gaszähler beim Kunden. Durch das installierte Gasdruckregelgerät erhält der Gaszähler einen konstanten Ausgangsdruck in mbar. Auf diesen Ausgangsdruck sind die Verbrauchseinrichtungen wie Brennwertheizung und Gaskochfelder beim Kunden ausgerichtet. Eine Änderung des Effektivdrucks erfordert technische Umbaumaßnahmen am Gasdruckregelgerät, die nur im Auftrag von EWE NETZ ausgeführt werden dürfen.

    Die Zustandszahl (z) berechnet sich nach folgender Formel:

    Formel Zustandszahl Erdgas

    Dabei bedeuten:

    z = Zustandszahl

    Vn = Normvolumen [m³]
    Vb = Betriebsvolumen [m³]

    Tn = Normtemperatur = 0°C = 273,15 K
    Teff = Temperatur des Erdgase = 15°C + 273,15 K = 288,15 K

    pamb = Luftdruck am Gaszähler [mbar] = 1.016 -(0,12 x H/m) [mbar]
    H = zugeordnete mittlere geodätische Höhe des Gaszählers [m]
    Peff = Überdruck am Gaszähler [mbar]
    Pn = Normluftdruck = 1013,25 mbar
     

  • Abrechnungsbrennwert:

    Da Erdgas ein Naturprodukt ist, unterliegt es je nach Förderquelle leichten Schwankungen in der Zusammensetzung und damit auch im Energiegehalt (Brennwert Hs). Der Brennwert Hs des gelieferten Erdgases wird mit geeichten Brennwertmessgeräten an der jeweiligen Übergabestelle in das Erdgasverteilungsnetz ermittelt.

    Der Brennwert von Erdgas kann nach dem DVGW-Arbeitsblatt G 260 "Gasbeschaffenheit" zwischen 8,4 kWh/m³ und 13,1 kWh/m³ schwanken. DVGW steht für Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V.

    Im Grundversorgungsgebiet der Region Ems-Weser-Elbe liefert EWE überwiegend Erdgas der Gruppe L mit einem Brennwert von ca. 9,5 - 10,5 kWh/m³. In einigen wenigen Gebieten in der Region Ems-Weser-Elbe liefert EWE Erdgas der Gruppe H mit einem Brennwert von ca. 11,0 - 12,0 kWh/m³.

    In den Grundversorgungsgebieten im Bundesland Brandenburg, auf der Insel Rügen und in Nord-Vorpommern beträgt der Brennwert des von uns gelieferten Erdgases der Gruppe H ca. 11,5 kWh/m³. Außerhalb der EWE Grundversorgungsgebiete speist EWE die Gasqualität ein, die der jeweilige Netzbetreiber vorgibt.

    Der Brennwert Hs ist die Wärmemenge, die bei vollständiger Verbrennung einer gegebenen Gasmenge in Luft frei werden würde, wobei der Druck p, bei dem die Reaktion abläuft, konstant bleibt und alle Verbrennungsprodukte auf die gleiche gegebene Temperatur T wie die Reaktionspartner zurückgeführt werden.

    Der Brennwert Hs für den jeweiligen Abrechnungszeitraum wird aktuell und kundenspezifisch ermittelt. Durch die natürlichen Beschaffenheitsschwankungen von Erdgas und die zeitbezogene Ermittlung des Abrechnungsbrennwertes gibt es keinen einheitlichen Brennwert für alle Kunden. Der Abrechnungsbrennwert wird über den Zeitraum von zwei Zählerständen (Anfangs- und Endzählerstand) ermittelt.

Die thermische Energiemenge:

Zur Berechnung der tatsächlich bezogenen thermischen Energiemenge (E) wird das am Gaszähler abgelesene Betriebsvolumen (Vb) multipliziert mit der Zustandszahl (z) und dem Abrechnungsbrennwert (Hs, eff):

Formel themische energie

Dabei bedeuten:

E = Thermische Energie [kWh]

V= Betriebsvolumen [m³]

z = Zustandszahl 

H

s, eff 

= Abrechnungsbrennwert [kWh/m³]

Falls in der Erdgasabrechnung die Abrechnungszeitspanne unterteilt werden muss, wie z. B. wegen Preis- oder Steueränderungen, und keine Ablesung des Gaszählers vorliegt, ermittelt EWE die thermische Energiemenge nach den Vorgaben des DVGW-Arbeitsblattes G 685.

Rechtlicher Rahmen:

In Deutschland wird die thermische Erdgasabrechnung auf der Grundlage einheitlicher eichrechtlicher Vorschriften sowie anerkannter Regeln der Technik, hier insbesondere nach dem DVGW-Arbeitsblatt G 685 „Gasabrechnung“, durchgeführt.

Die in diesem Arbeitsblatt festgelegten Verfahren sind mit den Landesbehörden für das Eichwesen und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt abgestimmt und entsprechen den Bestimmungen des Eichrechts. Die thermische Erdgasabrechnung unterliegt dabei der ständigen Kontrolle der zuständigen Eichämter. So ist zugleich ein Höchstmaß an Präzision und Unabhängigkeit gegeben.

Die für EWE zuständigen Eichämter sind Niedersachsen und Berlin-Brandenburg. Bei allen bisherigen stichprobenartigen Überprüfungen wurde EWE die regelkonforme Erdgasabrechnung bestätigt.